Im Leben kommt man oft an den Punkt, wo man bestimmte Dinge einfach akzeptieren muss. Ob es da nur um ein dummes Verhalten von einigen Mitmenschen geht oder darum, dass man an der Fleischtheke wiederholt übersehen wird. Oder um einen unvorsichtigen Rollerfahrer, der einem ins Auto kracht oder eben andere Dinge, die einem im Leben so täglich passieren können.

Aber am schwierigsten ist es zurück zu blicken und die eigenen Kindheitserfahrungen zu akzeptieren.

Ich verarbeite meine Kindheit gerade extrem und das ist teilweise sogar körperlich spürbar. So plagen mich schon den gesamten Tag fiese Kopfschmerzen und ein zermürbender Nackenschmerz. Momentan ein eindeutiges Anzeichen für die Verarbeitung der letzten Therapiestunde. Es ging um die Beziehung zu meinem Vater.

Mein Vater hatte meine Diagnose leider nicht gut verkraftet. Nachdem er aufgrund seiner Vorliebe für Esoterik es als nötig ansah, sich ein energetisches Spagyrik-Schutzmittel gegen meine krankmachende Borderlineenergie zu besorgen, brach ich den Kontakt ab.

> Erkenntnis <

Diese Idee von ihm war für mich als hätte jemand die Gardine weggezogen. Ich hatte endlich einen freien Blick. So musste ich akzeptieren, dass ein Kontakt für mich eine chronische Retraumatisierung ist.

Offensichtlich hatte ich übersehen in welchem Netz ich nach all den Jahren immer noch steckte. Dass auch er ungewollt sein Netz auslegte und seine Probleme hatte. Probleme, die er nicht sehen kann oder vor denen er trauriger Weise wegläuft.

Fakt ist allerdings, dass ein Kontakt für mich eine chronische Verletzung mit sich zieht. So traurig das nun mal ist, denn ich liebe meinen Vater sehr!!!

Mittlerweile konnte ich dadurch aber mehr Kraft für mich gewinnen.

> Verarbeitung <

Der Nebeneffekt ist allerdings, dass ich momentan von Flashbacks meiner Kindheit bombardiert werde. Bilder und Geschichten, die mir verdeutlichen, dass nicht nur meine Borderlinemutter ein trauriger Punkt meiner bisherigen Lebensgeschichte ist. Als wenn sich aus einzelnen verschollen geglaubten Stücken ein Puzzle endlich vollständig zusammensetzt.

Das Buch von Christine Ann Lawson über Borderlinemütter ist mir eine gute Hilfe, da dort beschrieben steht, aus welch einer typischen Beziehungsstruktur ich entstanden bin und warum vieles so war, wie es war. John Lachkar hat darüber offensichtlich auch ein Buch verfasst. Wahrscheinlich eine nächste Lektüre für mich?

> Akzeptanz und Neuorientierung <

Wenn ich all das betrachte, ist es für mich einfach ein Wunder, dass ich es bis hier her geschafft habe und vor allem, das noch in einem nicht vollkommen zerstörten Zustand.

Ein weiteres Wunder, dass ich meinen Weg sogar immer noch weitergehe. Ich bin unendlich stolz auf mich selbst – die Kämpferin für ihr eigenes Leben.

Aber um diese Erkenntnisse zu verkraften, dafür brauche ich noch viel Zeit. Und um mich weiter kennen zu lernen auch.

Akzeptanz

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