„Assistenzhund? Was ist denn bitte ein Assistenzhund?“

So in etwa beginnen viele meiner Unterhaltungen über meine Hündin.
Oder die Menschen fangen an über Therapiehunde zu reden.

Dabei ist ein Therapiehund ein Helfer für ausgebildete Therapeuten in deren Fachgebiet. Dazu gehören unter anderem Ergotherapie, Psychotherapie, Logopädie und viele andere.
Im Gegensatz zum Therapiehund ist ein Assistenzhund oder auch Rehabilitationshund ein Hund, der dem Assistenznehmer (Besitzer) bei der Bewätigung des Alltags mit einer chronischen Erkrankung assistiert.

Im Rahmen einer psychischen Erkrankung des Assistenznehmers werden diese Hunde zwar auch von einigen Therapeuten in die Therapie mit eingebunden, aber unter einer ganz anderen Voraussetzung und Zielsetzung. Es stärkt die Bindung des Hund-Mensch-Teams und so das Selbstvertrauen des Assistenznehmers. Der Hund kann auch durch taktile Signale den Assistenznehmer auf sein Verhalten oder den Stimmungsumschwung aufmerksam machen und aus der Situation bringen. Falls dies nicht möglich sein sollte, lernen diese Assistenzhunde Distanz zu schaffen zwischen ihrem Menschen und fremden Personen, um so für etwas Ruhe und Sicherheit zu sorgen und die Situation im Team meistern zu können.

Der bekanntest Assistenzhund ist der Blindenführhund. Leider sind Assistenzhund und Blindenführhunde in Deutschland immer noch nicht gesetzlich vollkommen gleichgestellt. Durch eine Änderung des § 33 SGB V könnte hier eine Gleichstellung erwirkt werden. Hierzu ist seit Anfang 2017 aber immer noch keine Änderung beschlossen. Siehe hierzu den Entschluss des Bundesrates „Link“ und die Stellungnahme der Bundesregierung „Link“.

Hier ein Tipp:
Auf der Seite der Pfotenpiloten sind alle Urteile und Gesetztesgrundlagen zum Thema Assistenzhund nochmals ausführlich aufgeführt.

Mittlerweile auch sehr bekannt sind Hunde, die Schübe von Epilepsie, Diabetes oder auch Allergien und Migräne erkennen und beim Menschen Bescheid geben können. Bei Anfällen kann es hier teilweise auch um Sekunden gehen, weshalb diese Hunde oft sogar Hilfe holen oder Alarmknöpfe bedienen können.

Wie man schon merkt, gibt es Assistenzhunde für sehr viele verschiedene Einsatzgebiete bzw unterschiedliche Erkrankungen. Hier mal eine Auflistung, die ich sehr interessant finde:

  • Blindenführhunde
  • Assistenzhunde für LPF
  • Mobilitätsassistenzhunde
  • PTBS-Assistenzhunde
  • Diabetikerwarnhunde
  • Signalhunde
  • Assistenzhunde für Menschen mit psychischen und psychiatrischen Erkrankungen
    (wie Schizophrenie, Essstörungen, schweren Depressionen, Biopolarer Störung und Borderline)
  • Epilepsiewarnhunde
  • Epilepsieanzeigehunde
  • Autismushunde
  • Asthmawarnhunde
  • Medizinische Warnhunde/Anzeigehunde
  • Allergieanzeigehunde
  • Schlaganfallwarnhunde
  • FAS-Assistenzhunde
  • Demenz-Assistenzhunde

Wenn ihr Erklärungen für die einzelnen Assistenzhunde sucht, schaut mal hier vorbei.

Was letztlich zu erwähnen wäre ist, dass diesem Thema meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Es wird immer viel von Inklusion geredet, aber keiner weiß, was ein Assistenzhund ist und oft wird keine Rücksicht genommen oder der Hund wird gestört. Oft durch Hunde und Kinder , die sogar dazu ermutigt werden. Dabei ist es für die Erkrankten ein absoluter Horror und meistens sogar sehr gefährlich, wenn der Hund bei der Arbeit gestört wird. Der Spruch „der tut nix“ trifft dann leider nicht zu, den stören hat immer Folgen für den Erkrankten.
Dazu gibt es leider schon viele traurige Geschichten einiger Assistenznehmer, die duch Wissen, Mitdenken und Mitgefühlt der Mitmenschen hätten vermieden werden können anstatt im Krankenhaus zu enden. Viele Erkrankungen sind von Außen nunmal nicht sichtbar, aber nicht jeder Hund trägt ein derart auffälliges und teilweise schon aus Frust mit Patches tapeziertes Geschirr, da die Kennzeichnung einfach ignoriert wird. Und immer, wirklich immer steht Assistenzhund auf dem Geschirr oder der Kenndecke!

Assistenzhunde sorgen übrigens nicht nur für ein besseres und aktiveres Leben ihrer Assistenznehmer, sondern ersparen auch den Krankenkassen nachweislich sehr viele Ausgaben. Leider bleiben die Haltungskosten und Anschaffungskosten in Deutschland an den erkrankten Personen haften anstatt zumindest teilweise durch das Gesundheitssystem gedeckt zu werden.

Des weiteren wird auch tatsächlich ein Unterschied zwischen Assistenzhunden eines Assistenznehmers mit Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen und denen ohne Schwerbehindertenausweis gemacht, was aber doch am Ausbildungsgrad des Hundes keinen Unterschied macht. Das beste Beispiel hierfür ist die Bahn, wo einige Assistenzhunde sowohl ein Zusatzticket benötigen als auch Maulkorb tragen dürfen, da sie nach nicht als Begleithund oderFührhund gelten. Laut der Richtlinien der Deutschen Bahn ist der Besitz eines deutschen Schwerbehindertenausweises erforderlich, in dem der Vermerk BL, Blind, aG, H oder Gl auf der Rückseite eingetragen ist oder die Notwendigkeit der ständigen Begleitung ist nachgewiesen (§145 Unentgeltliche Beförderung). Wobei letzteres Auslegungssache ist, weshalb einige Assistenznehmer dank des Attestes kostenfrei und ohne die Verwendung eines Maulkorbes fahren dürfen. Andere aber weiderum nicht oder plötzlich ind er Bahn mit derartigen Anweisungen konfrontiert werden.
Aer es macht keinen Sinn, die Fähigkeiten eines Hundes oder seinen Nutzen an einem SBA oder einem Merkzeichen fest zu machen.

Einheitliche Regelungen und Gesetze müssen da her, damit es für den Assistenznehmer einfacher und stressfreier wird.

#Inklusion #nostigma #wirsindviele