Ich sitze im Eingangsbereich der Klinik, die mich seit nun 1,5 Jahren begleitet. Ich warte auf Beginn meiner Ergotherapie. Heute bin ich viel zu früh hier. Aber der lichtdurchflutete Wartebereich in der neuen Eingangshalle lässt es mich gut aushalten.

Vor mir durch ein Panoramafenster kann ich in den Innengarten blicken. Der Garten dient als Raucherbereich der Klinik. Ein kleines Fenster in meiner Nähe ist leicht geöffnet und eine leise Musik kommt so in mein Ohr. Ein rauchender Patient spielt Musik auf seinem Handy und singt leise mit.

Es hat etwas schönes ihm zuzusehen und zuzuhören. Und etwas trauriges zugleich. Als wenn die Musik ihn zärtlich tröstet. Er drückt seine Zigarette am Aschenbecher des Mülleimers aus, schmeißt sie hinein und blickt mich im Vorbeigehen kurz an. Es ist als erzählen mir seine Augen seine gesamte Geschichte. Sie ebnen mir einen kleinen Blick in seine eigene kleine Welt. Ich brauche nicht mehr um zu verstehen und nicke ihm freundlich zu.

Man kennt sich nicht, aber man weiß voneinander. Von den Tiefen, dem schwarzen Sumpf, den Monstern hinter den inneren Mauern und dem Licht, nach dem wir alle so sehr greifen.

Ich liebe es an diesem Ort zu sitzen. Es ist ein guter Ort. Ein Ort in einer von wenigen guten Psychiatrien, die es in Deutschland gibt. Für mich ist die Klinik hier mittlerweile nicht nur ein Krankenhaus für die Seele, sondern auch eine Begegnungsstätte. Und dies nicht nur weil ich hier jede Woche zur Ergotherapie bin, sondern auch aufgrund solcher emotional wertvoller Momente, die mich bis ins Mark berühren und meinem Herzen eine innige tröstende Wärme geben.

Alles Gute unbekannter Mann, denke ich und mache mich auf den Weg zur Ergotherapiegruppe. Mein Stück Ton wartet auf mich.

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