Nun ist er da, der Tag der Tage. Der Tag, der alle Erinnerungen und schlechten Gefühle wieder hoch holt und mich ziemlich nieder zurück lässt. Heute ist es ein Jahr her, ein Jahr ist vergangen seit ich meinem Dasein ein Ende setzen wollte. Und dieser Tag fühlt sich so unendlich beschissen an! Anders möchte ich es gar nicht ausdrücken. Es ist nicht mal der ganze Tag, der triggert. Sondern genau dieser Zeitraum, jetzt, in diesem Moment, wo ich hier sitze und schreibe, in dem Wissen, dass ich vor einem Jahr in meinem Auto saß und wusste, “ Morgen um diese Zeit bin ich nicht mehr hier. Ich werde endlich schlafen können und niemand kann mich mehr verletzen.“

Depressionen sind wie kleine Monster, die immer nur ein Stück von dir fressen und die, je länger sie unentdeckt in dir verweilten, umso größeren Schaden anrichten. Ich kenne nun mein Monsterchen, aber es loszuwerden ist eine große Aufgabe. Fast eine Lebensaufgabe, die viel Kraft fordert. Dafür sollte man sich nie schämen, sondern eher stolz sein auf jeden weiteren Schritt.

Nun ist ein weiteres Jahr vergangen und ein Neues wurde geboren. Nera wurde gestern ein Jahr alt und ich sitze jetzt hier und schreibe diesen Blogbeitrag und mache mir gleich einen Cappuccino. Ich lebe und trotzdem ist etwas in mir gestorben. Genau vor einem Jahr, zu diesem Zeitpunkt. Ich habe etwas verloren, zurück gelassen in diesem Moment des Entschlusses. Einen Teil von mir, von dem ich nicht mal weiß, ob es ein nützlicher oder ein unbedeutender oder gar unnützer Teil war.

Will man dahin scheiden, stirbt in einem offensichtlich schon ein Teil ab, wenn man einen derartigen Entschluss fasst. Einige Leute behaupten ja, dass der Mensch tatsächlich schon vor dem eigentlichem Sterbevorgang anfängt zu versterben und es deshalb fühlt und viel über Vergangenes redet. Vielleicht haben sie recht und ich empfinde deshalb so.

Fakt für mich ist, dass der 17. Januar für mich niemals nur der Tag nach Neras Geburtstag sein wird oder nur ein ganz normaler Tag. Er wird für mich immer der Tag sein an dem etwas in mir gestorben ist und der Tag an dem ich jede Hoffnung in mir begraben und verscharrt habe. Mein Nicht-Todestag. Vielleicht auch irgendwann mein zweiter oder gar neuer Geburtstag….

Und heute, ein Jahr nach meinem Nicht-Todestag, versuche ich diesen schlechten Gefühlserinnerungen keinen Raum zu geben. Der Regen macht das schwarze Gefühl nur leider nicht besser. Und zu meinem Erschrecken hat mich dann ausgerechnet heute noch meine DBT-Therapeutin vergessen. Dabei hatten wir den Termin sogar extra auf den heutigen Tag gelegt. Nach 20 minütiger Warterei und einem erfolglosen Anrufversuch, habe ich dann den Entschluss gefasst, dass es so für mich und meine Therapie nicht weiter geht. Schließlich ist es nicht das erste Mal , dass die nötige Verlässlichkeit nicht gegeben ist oder ich sogar umsonst losgefahren bin. Sogar das Gespräch zu diesem Thema hatte ich mit all meine Kraft schon gesucht nachdem sie mich in einer Krise total hat hängen lassen. Ich hatte ihr eine zweite Chance gegeben. Aber nun wird mein Nicht-Todestag zum Todestag-meiner-DBT-Therapie.
Wäre ich nicht glücklicherweise therapeutisch doppelt aufgestellt, wäre ich nun in einer mehr als schlechten Situation. So aber werde ich nun schauen müssen, wie ich mich wieder doppelt aufstellen kann. Das Gefühl wieder im Stich gelassen zu werden und Menschen einfach nicht trauen zu können, weil sie einen Verraten, Verkaufen und Verletzen bleibt aber trotzdem unterschwellig bestehen.

Ich hoffe sehr, dass mein Jahr 2019 nun nicht wieder in ein Desaster a la 2018 abgleitet, sondern nur dieser Tag einfach beschissen ist. Achtsamkeit, Yoga, Skills und meinen schon erwähnten Cappuccino brauche ich jetzt. Und am aller Wichtigsten – meine Nera, die seit gestern nun ein Jahr alt ist.

Der 17. Januar

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