Auch wenn man nur 4 Wochen in einer Tagesklinik verbracht hat, kommt danach der typische After-Klinik-Kater. Der einige Unterschied ist die Intensität des nahenden Tiefs.

Durch einem stationären Aufenthalt in einer Psychiatrie ist man als Patient vollständig vom täglichen Wahnsinn der Welt außerhalb der Klinikmauern isoliert. Das ist auch beabsichtigt und Grundlage der Therapie vor Ort. Stress raus, Genesung rein. Normal ist dann auch, dass man nach der Ankunft Daheim erstmal in ein riesiges Loch fällt. Die Kunst besteht nun darin, die Leiter raus aus diesem Loch zu finden. Und das Handwerkszeug dazu, hat man in der Regel auch in den Wochen zuvor bekommen.

Nach einem teilstationärem Aufenthalt ist das Loch nicht ganz so riesig, aber trotzdem ist es da. Denn der erlangte Tagesrhytmus fällt daheim genauso weg, wie der Schutz der Klnik und die emotionale Verbundenheit mit der Gruppe von Mitpatienten. Viel hat man zusammen erlebt, durchgestanden und auch geschafft. Gute und schlechte Tage geteilt.
Und meine Gruppe in der Tagesklinik war wirklich super. Es war ein bunt gemischter Haufen von Menschen mit viel Herz und dem Willen viel Gutes aus der Zeit dort mitzunehmen.

Es ist schön für mich, so viele tolle Erinnerungen, Erfahrungen und Veränderungen mitgenommen zu haben. Keine davon möchte ich missen. Die 4 Wochen waren die intensivsten Therapieerfahrungen der letzten Zeit. Und dass, obwohl ich an Wissen gar nicht mal viel Neues mitgenommen habe. Es lag alleine an der Ruhe, der Zeit und diesem inneren Modus, der in einer solchen Umgebung offenbar automatisch aktiviert wird. Es passierte so viel mit und in mir, dass ich selbst oft nur überrascht zusehen konnte. Wie oft der Satz „Ach guck mal, dass bist du also auch. Dieser Teil gehört offenbar auch zu Dir.“ in meinem Kopf auftauscht, kann ich gar nicht sagen. Und trotz all diesen tollen Dingen fühle ich mich, seit ich die Räumlichkeiten der Tagesklinik mit Tränen in den Augen verlassen habe, als wäre ich ein Vogel, der aus dem schützenden Nest geworfen wurde. Ich muss nun alleine fliegen. Meinen Weg wählen und voran schreiten.

Was sich daran für mich so unvorstellbar verrückt anfühlt ist, dass ich nun endlich meinen Weg kenne. Ich weiß, was ich möchte und wo ich lang muss. Ich weiß, dass der Weg, der Weg meines Lebens wird und dass ich noch viel Arbeit vor mir habe. Aber ich habe diesen Weg schon begonnen zu gehen. Unter anderem mit diesem Blog. Und ohne meine Vergangenheit, all meiner guten und schlechten Lebenserfahrungen, meinen eigenen Erkrankungen und ohne meine Selbsttötungsabsicht – ohne all das, könnte ich diesen Weg auch gar nicht gehen. Einige Dinge im Leben haben eben ihren Sinn.

Und so ist meine Gesichte noch nicht zuende geschrieben ; …(to be continued)…

Der After-Klinik-Kater

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