Meine Ergotherapeutin sagte mir vor kurzem, ich hätte eine gute Frusttoleranz. Ja, in der Ergotherapie hab ich die tatsächlich. Also, wenn es die Arbeit mit Ton betrifft. Male ich zuhause etwas, sieht das schon ganz anders aus und im Kontakt mit anderen Menschen ist meine Frusttoleranz dann eher in geringer Ausstattung unterwegs. Immer ist dieser Perfektionismus im Hinterkopf oder der Wunsch zu gefallen. Verständlicherweise, denn unsere Gesellschaft stellt ja auch allgemeine Anforderungen an jedes Individuum. Und wer durchs Raster fällt, hat Pech gehabt. Verrückt ist dabei, dass aber keiner von uns das wirklich gut findet. Aber jeder will dazu gehören und nicht alleine sein.

Im Vergleich mit anderen Personen aus der Ergotherapie hab ich es offensichtlich wirklich noch ganz gut. Ich kann darüber Schmunzeln, wenn mal eine Schüssel beim Brennvorgang zersprungen ist. Für andere ist dies nicht so einfach möglich und wieder andere wissen überhaupt nicht, wie sie damit umgehen sollen. Das Gefühl versagt zu haben schleicht sich schneller ein als man die Situation reflektieren kann.

Perfektionismus ist mittlerweile ein immens großes Thema in unserer Welt geworden. So natürlich dann auch der Frust. Und immer mehr erkranken daran. Und das Resultat dieses allgemeinen Anforderungsprofils zeigt sich für mich wöchentlich in der Ergotherapie.

Auch mein gesundes näheres Umfeld hat Probleme mit Frust. Einige versuchen dem Thema strikt aus dem Weg zu gehen, indem sie Dinge oder Themen vor sich herschieben oder direkt ganz umgehen. Der positive Effekt bleibt da allerdings logischerweise aus. Es kommt mhr zu einer Frustverschlimmerung anstatt einer Toleranzsteigerung.

Wie schnell Menschen durch den Perfektionswahn in Selbstzweifel geraten bis sie sich irgendwann gar nichts mehr zutrauen. Ich kenne das auch sehr gut, denn es ist ein typischer Teil der Depression und leider auch Resultat meiner gesammelten schlechten beruflichen Erfahrungen. Aber so geht es so vielen Leuten in fast jeder Berufsbranche. Das Arbeitsleben ist heutzutage zu oft gespickt durch Angst, Missgunst und viele unglückliche und verbrauchte Personen. Ein Kreislauf der auf Dauer nur krank machen kann.

Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich mir für unsere Welt weniger Perfektionismus und Gradlinigkeit wünsche. Besser wären mehr Gestaltungsfreiheit, Individualismus, Selbstreflektionsvermögen und Toleranz. Genauso wie in der Kunst sollte doch alles vielseitig und bunt sein. Dann klappt es auch mit der Frusttoleranz.

Frusttoleranz

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