Klarträume oder Luzide Träume sind für mich ein total faszinierendes Thema. Ein luzider Traum ist ein Traum im schlafenden Zustand indem man sich bewusst ist über sein Träumen. Innerhalb dieses bewussten Träumens kann man selbstständig agieren und Entscheidungen treffen bzw sogar seinen Traum mitgestalten.

Mir war bis vor einem Jahr diese Thematik total unbekannt. Doch dann sah ich den Independet-Fim „Nicht weit von mir „.
Ein leicht düsterer Film, der das Thema von einer sehr ernsthaften und kritischen Seite betrachtet. Es geht um eine junge Frau, die in ihrem Leben unglücklich ist und sich daher in Bücher flüchtet. Durch Zufall leiht sie ein Buch über das Klarträumen aus. Das Thema fasziniert sie und so probiert die Protagonistin die im Buch benannte Technik aus. Durch die positiven Gefühle in ihren Klarträumen wendet sie sich aber immer mehr von der Realität ab. Irgendwann weiß sie Traum und Realität gar nicht mehr zu unterscheiden, was schwerwiegende Folgen für ihr Leben hat.
Der Film ist nebenbei erwähnt wirklich sehenswert.

Auch für die Wissenschaft scheint das Klarträumen eine echt spanndende Thematik zu sein. Wie ich gelesen habe, wird in der Traumforschung erkundet, warum im Klartraum der präfrontale Cortex erwacht. Das ist der Bereich des Gehirns für die Reflektion von Wahrnehmungen, Gefühlen und Gedanken. Also der Bereich, der sozusagen den Realitätsscheck macht. Würde man diesen Bereich auch durch eine gezielte Stimulation erwecken können, wäre das eine wahre Bereicherung in der Therapie von Psychosen. Denn bei Menschen, die an einer Psychose leiden, funktioniert dieser Bereich des Gehirns auch im wachen Zustand nicht richtig. So könnte ihnen besser geholfen werden.

Ich hatte bis zum heutigen Tag nie einen Klartraum gehabt. Allerdings wunderte ich mich schon vor ein paar Tagen nach dem Licht ausschalten, dass ich meine Schuhe noch neben meinem Bett stehen sehen konnte. Als wären sie im Hellen und der Rest des Raums im Dunklen. Doch machte ich für mich einen Haken dran und schob es auf meine neuen Tabletten. Was auch nicht ganz falsch war. Aber offensichtlich hatte mich dieses Erlebnis doch mehr erschrocken als gedacht, denn ich achtete kritisch auf weitere solcher Vorkommnisse.

Durch die Tabletten träume ich stärker, das habe ich schon bemerkt. Als ich aber heute Morgen die Augen öffnete, das Licht durch die Rollos fiel und mein Mann mit angewinkelten Beinen neben mir im Bett saß, war ich schon etwas irritiert. Etwas stimmte nicht. Ich sah mich um, sah jede Kleinigkeit im Schlafzimmer, das helle Licht und das Gesicht meines Mannes. Doch der Winkel aus dem ich die Szene betrachtete, passte nicht ganz zu dem Bild, das ich sah.
Als mein Mann mir dann auch noch eine Tasse Espresso aus der Küche holte und reicht, diese Tasse aber von einem Geschirr war, was ich nicht kannte, war es ganz klar – ich hatte einen Klartraum.

Jeder würde nun versuchen zu fliegen oder durch Wände gehen. Mich interessierten nur drei Dinge:

Wie intensiv kann ich die Oberfläche der Tasse fühlen?

Sieht das Licht, was durch die Rollos fällt, im Traum genauso intensiv aus, wie in der Realität?

Und verdammt nochmal – wie werde ich wieder wach???

Ich konnt von der Espressotasse tatsächlich die gesammte Porzellanoberfläche fühlen. Es war eine alte weiße Tasse, wie von Omas bestem Geschirr. Jede Unebenheit war zu ertasten. Und das Licht blendete mich und war genauso hell, wie man es eben von Licht kennt.

Diese Realitätsnähe empfand ich als sehr gruselig und ich hatte Angst mich deshalb im Traum zu verlieren. Ich wurde durch die Angst wach, genoss die echte Realität, verfiehl aber an diesem Morgen noch in zwei weitere Klarträume.
Nach dem letzten stand ich allerdings dann auf, denn er war so intensiv, dass ich nicht mehr wusste, ob ich wach war oder träumte. Vom Schlafzimmer zu träumen ist eine unfaire Sache in diesem Fall. Und nicht immer findest du Hinweise auf einen Traumzustand. Daher schüttelte ich meinen Kopf im Traum so lange bis ich tatsächlich wieder in der Realität ankam. Also doch ein Traum.

Mein Fazit dieses Morgens ist, dass Klaträume sicherlich ihren Reiz haben, aber da sie sehr real wirken auch sicherlich die Gefahr haben, dass man sich in ihnen verliert. Schlechte Erfahrungen in Träumen nimmt man sicherlich auch mit in die Realität. Dazu gibt es auch Erfahrungsberichte im Internet. Und nicht immer kann man die Träume gestalten. Ich habe schon etwas Angst vor der nächsten Nacht, denn durch die Tabletten scheinen nicht nur meine Träume bunter zu werden, sondern auch der der präfrontale Cortex schneller zu erwachen als der Rest meines Gehirns.

Durch die Klarträume verbleibt den ganzen Tag bei mir auch ein Gefühl von Unsicherheit gegenüber der Realität. „Schlafe ich vielleicht noch oder bin ich wirklich wach?“

Vielleicht leben wir ja alle in einem Klartraum?
Kann man sich der Realität überhaupt sicher sein…..?


Klarträume

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