Mein Auto springt nicht an.

Ich wollte mich zur Therapie aufmachen und da stotterte es mir nur etwas vor. Irgendwann gingen dann auch alle Lichter in der Konsole aus und das Stottern wurde immer leiser und weniger. Jetzt gurrt mein Auto nur noch.
Ein trauriges Geräusch ist das, denn ich finde mein fahrbarer Untersatz ist eigentlich sehr lebensfroh und fährt gerne durch die Gegend.

Aber offensichtlich hat es keine Lust mehr. Es scheint krank zu sein.

Das gefällt mir nicht, denn so bekomme ich selbst einen Motorschaden. Mein Wagen gibt mir nämlich Selbstständigkeit. Einen Rest von Selbstständigkeit, der ansonsten für mich nicht möglich wäre. Ich kann in dieser geschützten Kiste an Orte reisen, die mir sonst verborgen oder für mich nicht erreichbar wären. Und diese Möglichkeit gibt mir einen inneren Antrieb, der mir hilft die Erkrankungen zu bekämpfen.

Ohne mein Auto verkrieche ich mich nur noch mehr in meinem Zuhause. Geschützt vor der Außenwelt. Sicher und behütet vor Kontakten mit Menschen, die mich wieder verletzten könnten oder Situationen, die mich überfordern und mir Angst machen. Daher fahre ich auch nicht mit dem öffentlichen Nahverkehr.

Es wäre sicherlich einfach jetzt jemanden her zu rufen, der sich das Problem meines Klapperkästchens mal anschaut und es dann zügig in die Werkstatt bringt. Einfach für andere!

Aber was einfach für gesunde Menschen ist, ist leider eine unüberwindbare Barriere für jemanden, der psychisch erkrankt ist. Daher sitze ich jetzt erstmal fest mit meinem kaputten Fahrzeug und dem daraus resultierenden inneren Antriebsverlust.

Zumindest habe ich das Glück einen Partner an meiner Seite zu haben, der mich später am Tag unterstützen kann, das Auto abholen zu lassen. Andere haben diese Hilfe nicht und sitzen dann tagelang Zuhause bis die Kraft da ist einen Mechaniker anzurufen und mit ihm alles klären zu können. Wahrscheinlich hören sie in der Zeit dann einige Male den Satz „Stell dich nicht so an“ oder auch „So schwer ist das doch auch nicht!“.

Aber doch es ist so schwer!

Und noch schwerer ist es dabei achtsam mit sich selbst und der Erkrankung umzugehen. Denn diese blöden Sätze habe ich selbst ständig in meinem Kopf.  Etwas, was sehr typisch für Depressionen und Borderline ist und eine Menge Kraft kostet. Aber trotz dieser destruktiven Gedanken, versuche ich heute achtsam mit mir zu sein und die Auslöser für Milchglaseffekte, Zitterattacken, Panik und Artikulationsprobleme so gering wie möglich zu halten. Deshalb nehme ich später lieber Unterstützung in Anspruch anstatt mich (mal wieder) total zu überfordern.

to be continued




Motorschaden

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