Ich bin zuhause.

Krank zuhause.

Die ganze Nacht nicht geschlafen und mein Körper rebelliert. Wahrscheinlich der Stress oder doch ein Infekt. Egal. Ich bin zuhause. Bei meinem kranken Mann. Wir bemitleiden uns gerade gegenseitig. Was für ein Morgen.
Der einzige Vorteil an der kranken Lage bei uns ist, dass die Motte erst Sonntag umziehen wird. Schließlich ist momentan keiner fähig Taxi für sie zu fahren. So kann sie zumindest neue Wasserflaschen aus der Küche holen.

Sachen gibt’s….

Komischerweise macht auch die Tatsache der körperlichen Erkrankung etwas mit mir. Ein weiterer Triggerpunkt meiner Vergangenheit. Ich war in meinem Leben schließlich nie mal dauerhaft gesund. Das Gefühl kenne ich nicht mal. Und auch sowas geht auf die Psyche. Zumal es mir immer als schlechte Eigenschaft ausgelegt wurde. Dabei kann ich dafür ja nicht mal etwas und tu so viel, damit mein Körper stabiler und gesünder wird. 20 Kilo habe ich beispielsweise verloren, achte auf meine Ernährung und mache Sport.

Dieser Kampf gegen Windmühlen trieb mich auch mit in die Depression. Man tut alles für sich und es kommt immer wieder ein neues körperliches Problem auf. Von normalen Infekten, über einer Candidainfektion bis hin zur Superinfektion und Lungenentzündung. Das ganze gekrönt durch Allergien und eine Histaminintoleranz. Letzteres hat mein gesamtes Leben verändert. Nicht nur meine Ernährung. Auch auf Medikamente muss ich achten und auswärts essen ging über Jahre nicht. Ich musste umdenken, lernen und viel zu oft für mich selbst einstehen, wo es nicht hätte sein müssen. Verständnis bekommt man aber nicht. Man wird nur blöd angeschaut. „Stell dich nicht an“, „Ach, du wirst doch einmal…“ waren Standardsätze auf Familienfeiern. Meine Histaminintoleranz machte mich zu einem Problem im sozialen Gefüge. Meine zusätzlichen Probleme formten ein Bild von mir, was mir nicht nur nicht entspricht, sondern was ich selbst sogar irgendwann über mich dachte. Meine ganz persönliche Stigmatisierung entstand. Innen und Außen. Total verdreht und kraftraubend.

Ein Grund aus dem ich auch heute Probleme…. nein, eigentlich sogar große Schuldgefühle und Angst hatte mich in der Klinik krank zu melden. Verrückt oder? Dabei ist das doch eigentlich nichts Schlimmes.

Für mich aber schon, denn ich erwarte immerzu ein Nachspiel und Bestrafungen für meine körperliche Schwäche. Auch diese Art von Stress macht auf Dauer seelisch krank.

Nun ist dieses riesen Thema wieder da. Und ich bin dankbar dafür. Ich will wachsen an mir selbst. Meine persönliche Mentorin für mein Leben werden. Etwas was eigentlich selbstverständlich sein sollte, um gut leben zu können.

Aber wer will lehren, der noch lernt?

Und ich bin noch Schülerin im Leben lernen meines eigenen Lebens. Und ich lerne fleißig!

Tag 2: Mein Körper und ich

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