Meine Gedanken verschwimmen, wenn ich auch nur über dieses Thema versuche nachzudenken. Radikale Akzeptanz. Die Fähigkeit Dinge einfach radikal zu akzeptieren ohne sich weiter damit gedanklich oder gefühlstechnisch aufzuhalten. Manchmal ist es nicht ausschlaggebend wie viel man investiert hat, wie viel Mühe man sich gegeben hat. Es kann trotzdem etwas unerfreuliches oder vollkommen anderes herauskommen als man es sich eigentlich gewünscht oder erarbeitet hat.

Auch sich selbst so anzunehmen wie man ist, sich selbst zu akzeptieren und auch zu lieben, fällt für mich in diese Kategorie. Wieso fällt es mir so leicht jedem mehr zuzugestehen als mir selbst? Oder jeden zu akzeptieren wie er ist, aber für mich selbst andere Regeln aufzustellen? Härtere Regeln – extremere Regeln, die ich anderen niemals auferlegen würde.

Welche Dinge sind die, die ich am wenigsten an mir selbst akzeptiere oder wo ich der Meinung bin, dass sie mir vielleicht sogar Probleme bringen oder ich damit niemals akzeptiert werden kann? Und was wäre, wenn ich diese Dinge einfach annehmen könnte. Es so sein dürfte, wie es ist! Was würde sich für mich dadurch ändern?

Wahrscheinlich würde man mehr Leichtigkeit empfinden. Vielleicht würde einem durch diese Selbstannahme vieles einfacher fallen. Aber wie geht das? Ich weiß, dass es Übung bedarf und viel Reflexionsvermögen. Trotzdem empfinde ich das Thema Akzeptanz als eines der schwierigsten Themen überhaupt. Man nimmt dabei schließlich etwas hin anstatt Einfluss zu nehmen oder es gar zu können. Dabei hat es nichts mit Lethargie zu tun, aber eben mit Kontrollverlust.

Trotzdem gibt es aber diese innere Stimme, die dann oft einwirft, Du hättest mehr tun können. Aber das stimmt nicht.

Ich denke da gerne an das Beispiel des Tonofens. Oft arbeite ich in der Ergotherapie an einem Tonstück, baue Figuren oder Gefäße mit viel Liebe und all dem vorhandenen Wissen. Aber dann kommt der Zeitpunkt, wo es in den Ofen muss, um gebrannt zu werden. Der letzte Vorgang vor dem fertigen Werkstück.
Ich habe ab diesem Zeitpunkt keinen Einfluss mehr auf das Resultat. Ich kann nur loslassen und abwarten, was geschieht. Und so viel Mühe und Vorsicht ich auch zuvor investiert habe, kann es passieren, dass der Ton beim Brennen reißt oder sogar zerspringt. Und das liegt in den meisten Fällen gar nicht an meiner Arbeit, sondern entweder an den chemischen Vorgängen im Brennvorgang oder manchmal auch an einer eingeschlossenen, versteckten Luftblase im Werkstück.

Jedoch kann ich aus solchen Siuationen mehr fürs Leben lernen als aus anderen. Das Fazit aus solch einer Geschichte ist doch, dass ich egal was ich wie gut tue, eben oft keinen Einfluss auf Situationen haben kann. Ob eben auf einen Brennvorgang oder vielleicht einen Entscheid eines Amtes oder manchmal eben auch meiner eigenen Gesundheit.

Ich kann nur mein bestes Geben und den Rest muss ich dem Tonofen des Lebens überlassen. Reagieren kann ich erst wieder auf das Resulat des Brennvorgangs. Ob ich klebe, nacharbeite oder etwas Neues anfange ist dann wieder mir selbst überlassen.

Letztlich ist es wie mit dem eigenen Leben auch – Wir arbeiten täglich alle an unseren Tonstücken.

Tag 21/ Die Tonofentechnik

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