Die emotionale Instabilität bringt immer eine ordentliche Portion Hochsensibilität mit sich. Das Problem dabei ist, dass man als HSPler (Hochsensible Person) anfällig für viele Arten von Stress ist. Ob man durch Geräusche, Gerüche oder durch die Anspannung und den Stress anderer in Mitleidenschaft gezogen wird, spielt da wenig eine Rolle. Alles kann Dir ordentlich zusetzen, da man den Stress und die Bandbreite an Gefühlen als Bordi schlechter reguliert bekommt. Vor allem an miesen Tagen.

Heute ist ein mieser Tag. Der erste Morgen ohne Nera. Ich wurde nicht freudig begrüßt und mir wurde auch kein Ohr über die Ereignisse der Nacht abgekaut. Keine nasse Hundenase, kein Kuscheln auf der Couch. Meine Laune ist dementsprechend etwas angeschlagen.

Zu allem Überfluss waren viele Mitpatienten durch ihr Wochenende sehr angespannt und brachten eine Masse an anstrengender und belastender Energie mit. Die Stimmung war auch dementsprechend bedrückt. Nach dem Mittagessen kam dann für mich der Höhepunkt bei einem Gespräch mit einer Mitpatientin.

Man bräuchte manchmal eine Stress-Schutzbrille.

Zumindest merke ich es mittlerweile, wenn ich die Anspannung einer anderen Person mitspüre bzw übernehme. Nicht umsonst ist mein Thema Abgrenzung! Nach 10min Gespräch konnte ich kaum noch atmen. Meine Brust war wie erdrückt durch Felsbrocken und ich hatte das Bedürfnis zu schreien.

Mittlerweile weiß ich, dass es gut funktioniert die andere Person darauf aufmerksam zu machen, dass ich deutlich spüre wie es ihr geht, ich es verstehen kann, aber es mich durch meine Feinfühligkeit auch belastet. Anspannung und Stress zum Thema zu machen und danach etwas für sich selbst zu tun, ist für mich in so einer Situation sehr wichtig.
Einen tollen Tageserfolg habe ich aber errungen. Während des Gespräches habe ich in meinem Kopf aktiv mit dem Thema Abgrenzung gearbeitet und einige Dinge ausprobiert, mich dann reflektiert und ein Resümee gezogen.
Trotzdem habe ich etwas von der fremden Anspannung mit nach Hause genommen. Und das muss ich nun los werden, was aber ganz gut klappt.
Aber Üben heißt schließlich auch nicht Können. Daher bin ich mit dem Verlauf des Tages trotzdem voll zufrieden.

Tag 7 – Fremde Gefühle

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