In einer Therapie kommt irgendwann der Punkt den man Selbsterfahrung nennt. Sprich, man erfährt, dass die eigenen gesteckten Grenzen gar nicht so eng sind, wie man dachte und dass man selbst zu deutlich mehr fähig ist als man jemals von sich gedacht hat. Ganz heftig ist es, wenn man diese Erfahrung an einer Kletterwand macht.

Das Hochsteigen alleine ist gar nicht das Schwierigste, sondern der Sprung ins Vertrauen. Das Vertrauen, dass der sichernde mir total fremde Mensch einige Meter unter mir nicht plötzlich die Leine loslässt, sondern mir achtsam und mit dem erlernten Wissen und durch die vorhandene Kraft beim langsamen Abseilen hilft.

Ein Sprung ins Vertrauen trotz einer Traumafolgestörung ist emotional eigentlich etwas fast Unmögliches. Zumindest gefühlt. Dank meiner Therapie und harter Arbeit an mir selbst ist es mir mittlerweile möglich solche Erfahrungen zu machen. Und für mich sind es sehr heilsame Erfahrungen, weil sie total gegensätzlich zu meinen früheren Erinnerungen und Lernerfahrungen sind.

Ich bin nicht gefallen, gestürzt oder hab mich verletzt. Ich wurde gehalten, aufgefangen und unterstützt. Ich habe ein ganz neues Stück Leben erlebt. Und ich will mehr davon.

Tag 9/10 – Selbsterfahrung

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