Wenn ich auf meine letzten Wochen zurückblicke, würde ich diese Zeit als graue, triste Suppe bezeichnen. Auch wenn alles was passiert ist mich stetig vorangetrieben hat, musste ich auch vieles zurück lassen.

Zum Beispiel meinen Vater, der mit meiner Diagnose so gar nicht klar kommt. Aber auch dieser Verlust gibt mir die Möglichkeit ein nicht aufgedecktes Kapitel meiner Vergangenheit anschauen zu können. Es war lange begraben und verdeckt. Am Wochenende kamen dann die Flashbacks meiner Kindheit. Erinnerungen über eine Welt geschmückt mit nicht sehr viel mehr als Perfektionismus, vielen weiteren tragischen Gegebenheiten und einer Menge Einsamkeit. Es ist so traurig darüber nachzudenken und auch so heilsam es zu tun.

Diese Suppe der letzten Zeit war für mich einfach nötig, hatte ihre Berechtigung. Und wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich ohne all das nicht  schon satte zwei Tage der Ernte genießen können.

Ich komme verrückterweise verdammt gut ohne meinen Mann klar. Allerdings sehne ich mich auch sehr nach Sonntag und seiner Rückkehr. Trotzdem ist seine Abwesenheit für mich irgendwie etwas Urlaub vom Alltag geworden. Und dieser Urlaub heizt mein Aktivitätslevel an. Kochen und Essen fällt mir momentan deutlich leichter als die letzten Monate. Da war das ein echtes Problem für mich.

Und gestern war ich mit Nera ganz alleine in der Heide spazieren. Ich traute mich tatsächlich raus, ohne Panik oder den Anflug davon. Leider lief auf dem Spaziergang gefühlt nichts, wie ich es mir gewünscht hatte. Etwas, dass für einen Borderliner die Hölle auf Erden ist. Aber als ich ausflippte, kniff ich kurzzeitig die Pobacken zusammen und fuhr mit Nera schnell nach Hause. Auf der Couch angekommen, saß plötzlich das Pubertier neben mir und leckte mein Gesicht ab, holte mich aus meiner inneren Hölle.

So endete der Tag wieder erwarten tatsächlich in dem Besuch der Junghundegruppe. Auch hier wieder ohne Panik oder einen Anflug davon. Wir zwei – ein Team. Border to Border – we will make it.
Nera hatte irgendwie verstanden, dass ihre tauben Ohren beim Spaziergang nicht das Maß aller Dinge sein sollten und legte daher im Gruppentraining plötzlich die Messlatte ein ganzes Stück höher. Keine Ahnung an welcher Straßenecke sie ihren Will-to-Please samt Impulskontrollvermögen gefunden hatte.

Dieses Teamgefühl haben wir auch in den heutigen Tag übernommen und feierten so auch nach unserem privaten Training einige kleine Erfolge. Aber eigentlich sind es für uns beide ganz große Erfolge. Denn daran, dass ich mich raus traue und auch morgen versuchen werde alleine einkaufen zu gehen, daran hat Nera einen riesengroßen Anteil.

Dieser kleine Urlaub vom Alltag zusammen mit Nera bringt mir tatsächlich etwas von der mir gewünschten Farbe.

Tage voller Farben

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