Was wird mich erwarten?

Wo muss ich hin?

Wie wird es werden?

Bekomm ich Panik?

Wie sind die anderen?

Es ist Morgen.

Ich sitze am Küchentisch, trinke meinen Kaffee und schaue im Netz nach, wo ich den gleich überhaupt hin muss.

Es ist der Tag meiner ersten Gruppenstunde. Eigentlich ist es gar nicht meine erste Gruppenstunde. Ich kenne Gruppen. Die Gruppen aus Kliniken und diese Art von geführten Gruppen für die man einerseits viel Geld zahlt, viel Hoffnung investiert und andererseits auch enorm Schaden nehmen kann. Vor allem mit einer bestehenden Gefühlsregulationsproblematik.

Man bemerkt automatische Gruppendynamiken leider erst dann, wenn man selbst schon mittendrin ist. Dynamiken, wo man das tut, was vom Gruppentherapeuten „verlangt“ wird. Wo Dinge als ok betrachtet werden, weil sie eben innerhalb der Therapie so passieren und auch immer schon von allen abgenickt und für okay befunden worden sind. Die Macht eines Therapeuten wird dadurch aber bestärkt und in dem Fall meiner damaligen Gruppe wurden seine Fähigkeiten in den Himmel gehoben. Ein Therapeut in Guru-Stellung hat aber nie etwas Gute für sich. Und erst recht nicht für die Patienten. Und erst recht nicht für eine Borderlinerin, die dadurch extrem beeinflusst wird. Schließlich hoffte ich auf Rettung aus meinem inneren Chaos. 

In sein Gefühl zu gehen und es laufen zu lassen ist gut für alle ohne extreme Gefühle. Nur extreme Gefühle schaden, wenn sie freigelassen werden oder Sorgen für einen Exitus im Kopf.

Mein Zittern wurde zur damaligen Zeit aber nie als eine Form der Dissoziation erkannt, sondern immer als gutes Ergebnis gesehen. Eigentlich wurde jede Form des Dissoziierens bei mir als gut empfunden. Schließlich kannte diese Form des Notschalters vor dem inneren totalen Zusammenbruch auch keiner.

Therapien können für Bordis gefährlich werden, wenn die psychische Erkrankung nicht erkannt und entsprechend behandelt und berücksichtigt wird. Gerade in Gruppen kann das für unsereins heftig werden, muss ich sagen. Und ich hatte keine Diagnose. Und eine Diagnostik gab es dort nicht. 

Was für andere gut und toll war, war für mich die absolute Hölle. Die daraus resultierenden Folgen, waren nicht absehbar für mich. Ich dachte oft, dass ich falsch fühlen würde oder etwas nicht gut mit mir war. Schließlich kamen meine Gefühle nie so authentisch raus wie bei anderen. Meine Selbstzweifel hatten wöchentlich 3 Stunden Futter. Und ich fühlte mich auch nach den Aktionen in der Gruppe nie befreit und gut wie andere. Trotzdem sagte ich das. Ich dachte, dass fühlt sich eben so an wie du dich jetzt fühlst. Das muss so sein. Erschöpfung und Zittern ist doch gut. Du bist eben innerlich blockiert und das muss alles raus. Wenn mich andere in der Gruppentherapie in den Arm nahmen, war das schrecklich für mich. Aber ich ging in der Hoffnung auf Besserung über mich hinaus. Gruppenkuscheln musste ich gut finden. Meine Ängste… musste ich runterschlucken. Was sollte ich auch sonst denken? Auf Nachfrage kam schließlich ein, das ist doch gut, dass du so fühlst. Das muss so sein. Das heißt, es hilft. Weiter so!

Heute weiß ich es besser. Heute kenne ich die Folgen, die das für mich persönlich hatte. Und ich bin froh dort weggegangen zu sein. Froh, für mich gesorgt zu haben. Froh meine Gefühle damals nicht raus gelassen zu haben. Meine „Mauern“ nicht fallen gelassen zu haben. Ich wäre letzten Endes innerlich zerstört worden!

Anderen kann es sicher helfen. Menschen ohne ein unreguliertes Gefühlschaos. Aber ich bin nicht andere. Und das hätte ein Therapeut im Auge haben müssen anstatt mich stattdessen als „schrullig“ zu titulieren oder einen hilflosen Gefühlsausbruch meinerseits dann als „hysterisch“ zu bezeichnen. Der war offensichtlich zu heftig. Zu unnormal.

Etwas, was enorme Wunden bei mir hinterlassen hat und wo ich froh bin, dass ich trotzdem wieder mit einer Therapie angefangen habe. Daher mag ich Gruppen eigentlich nicht mehr und bin auch sehr vorsichtig bei privaten heilpraktischen Therapeuten ohne Spezialisierung.

Aber nicht jeder Heilpraktiker fur Psychotherapie ist grundsätzlich schlecht. Und nicht jede Gruppe ist schlecht geführt oder entwickelt solche Dynamiken. Also geb ich der Sache heute eine Chance. Schließlich ist es eine Gruppe für Emotionsjongleure wie mich. Und mit einer heilpraktischen Therapeutin, die seit Jahren nur mit und für Borderliner arbeitet.

Ich bin daher echt nervös. Und ich hab Angst. Und noch 20.000 weitere Gefühle fahren in mir Karussell. Neue Menschen zu treffen ist Stress. Die Ungewissheit macht mich fertig. Das Einzige, was mich beruhigt ist, dass sie es verstehen werden. Die kennen das Karussell. Oder werden sagen, dass es bei ihnen eine Waschmaschine ist, die im Bauch tobt. Meine Mutter hatte auch eine Waschmaschine im Bauch. Offensichtlich gibt es Waschmaschinen- und Karussellborderliner.

Ob das ein Thema sein wird? 🙂

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