> Ich setze hier eine Triggerwarnung, da ich in den folgenden Zeilen auch über meine Suizidabsicht und meine zugehörigen Gedanken erzähle. <

Als ich mich am 17. Januar diesen Jahres ins Auto setzte, um von der Arbeit nach Hause zu fahren, war mir klar, dass ich einen Tag später auf dem Weg zur Arbeit nicht dort ankommen würde. Das war mein Plan. Der war fix. Der letzte Tropfen, der meinen Eimer zum Überlaufen brachte, war ein Spruch meines Arbeitskollegen, den ich hier nicht wiedergeben werde, auch wenn mir diese Worte noch immer sehr präsent sind.

Keine Ahnung, ob dieser Spruch überhaupt auch in meine Richtung ging. Oder ob es einfach wieder einer dieser Sprüche war, mit denen sich einige Menschen in ihrem Job auf Kosten junger und unerfahrener Kollegen profilieren müssen.

Aber diese Worte passten so verdammt gut in meine Depressionswahrnehmung. Mein Kollege hat da keine Schuld. Wäre es nicht dieser Spruch gewesen, wäre es etwas anderes gewesen, was den Eimer hätte überlaufen lassen. Und wer hat nicht mal einen unbedarften Spruch losgelassen. In so einem Moment denkt niemand daran, dass eine depressive Kollegin neben einem sitzen könnte, zuhört und denkt
„Ja, genau. Auch ich bin dumm und unfähig. Aus mir wird eh nichts mehr … !“

Ich sagte „Bis morgen!“ und wusste, wir würden uns nie wieder sehen….

Aber es kam dank meines Mannes ganz anders.

Jule – Under Construction

Heute sehe ich den 17. Januar trotzdem als meinen Todestag an.

Die alte Jule ist nicht mehr da. Sie ist an diesem Tag gestorben. Ich habe nur ihre Erinnerungen und Gefühle geerbt. Geboren wurde ich erst zwei Tage später, als ich in der Klinik ankam.

Und wie die Zukunft der neuen Jule aussieht ist immer noch nicht fix. Ich weiß nicht, wann und ob ich in genau diesen Job zurück kehren werde oder überhaupt kann und wie mein Leben sich auch privat weiterentwickeln wird. Jogge ich in einem Jahr auch noch? Welche Menschen, außer natürlich meinen geliebten Ehemann, gehören zu meinem Leben? Schreibe ich weiter meinen Blog oder vielleicht sogar ein ganzes Buch?

Ich habe es zumindest heute begonnen. Ausschlaggebend ist tatsächlich die Veröffentlichung meines Mutmach-Beitrags. Der hat mir heute nämlich auch Mut gemacht. Nachdem nun das Vorwort und der Anfang des ersten Kapitels den Weg auf den Bildschirm gefunden haben, wird es vielleicht ein weiterer Teil meines neuen Lebens. Wer weiß das schon?

Zur Feier des Tages bin ich diesmal 3km gejoggt. Offensichtlich ist die neue Jule tatsächlich sportlich und kreativ zugleich.

Auf mein altes Leben zu schauen ist wie alte Klamotten in meinem Schrank zu finden. Da stellt sich mir wirklich die Frage:

„Was davon passt mir noch?“

Momentan weiß ich es noch nicht. Aber ich werde diese alten Sachen nun nach und nach mal anprobieren. Und was nicht passt kommt weg oder geht secondhand zu jemand anderen, der damit etwas anfangen kann.

Schließlich ist das, was ich mir aufgebaut hatte, nicht prinzipiell schlecht. Vielleicht benötigt es einfach nur eine neue Farbe, ich bin da raus gewachsen oder es hat tatsächlich nie gepasst….

Zukunftsperspektiven

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3 Gedanken zu „Zukunftsperspektiven

  1. Jule, du wirst (d)einen Weg finden :* Nach und nach wird sich alles fügen. Wünsche dir nur das Beste!

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